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Sozialer Zorn zieht auf wie Gewitterwolken gegen Verarmung und Hunger

Analyse der Revolutionären Sozialisten

Tausend Grüße an Shadi, Abdel Fattah und Zakaria.

100% der Arbeiterproteste in diesem Jahr hatten Lohnerhöhungen zum Ziel. Streiks sind dabei das wichtigste Mittel. Trotz aller Versuche der herrschenden Klasse, den öffentlichen Raum zu kontrollieren, soziale und politische Akteure einzuschüchtern und die Medien zu zensieren, konnten wir in den ersten vier Monaten des Jahres 56 Arbeits-, Berufs- und Sozialproteste dokumentieren.

Diese Zahl zeigt jedoch nicht das volle Ausmaß der Armut und der Angriffe auf die Rechte der Arbeitenden. Viele Menschen zögern, sich zu wehren, weil sie Angst vor Repressionen haben und die wirtschaftliche Krise so stark ist, dass sie das Vertrauen in die Wirksamkeit ihrer Forderungen verlieren.

Die Forderung nach höheren Löhnen stand bei allen Protesten an erster Stelle. Das liegt einerseits an den explodierenden Preisen, andererseits daran, dass viele Arbeitgeber das Mindestlohngesetz nicht einhalten – selbst schon vor der Erhöhung auf 7.000 EGP.

Laut CAPMAS stiegen die Reallöhne in den Jahren 2010–2013, also während der Revolution, um etwa 40%. In der Zeit danach, zwischen 2014 und 2017, verloren die Löhne rund 22% ihres Werts. Zwischen 2017 und 2019 gab es nur einen geringen Anstieg von etwa 6 %, und 2020–2021 stiegen die Löhne kaum um 1 %. In der jüngsten Phase sanken die Reallöhne im Privatsektor sogar um 15 %, vor allem weil auch kleinere Betriebe in die Erhebung einbezogen wurden, in denen niedrigere Löhne üblich sind.

Ein gutes Beispiel für den Umgang mit Arbeitsrechten ist der Streik bei El Amir Ceramics in der Stadt “10.Ramadan”. Die Arbeiter streikten im Februar und forderten den damaligen Mindestlohn von 6.000 EGP. Kurz darauf erhöhte der Nationale Lohnrat den Mindestlohn auf 7.000 EGP. Die Arbeiter forderten die sofortige Umsetzung – woraufhin der Unternehmer zehn Arbeiter anzeigte, die daraufhin von der Staatssicherheit verhaftet wurden. Der Unternehmer machte das Fallenlassen der Anzeige davon abhängig, dass der Streik beendet wird. Die restlichen Arbeiter gaben schließlich nach, weil sie nicht weiterarbeiten wollten, während ihre Kollegen im Gefängnis saßen.

Auffällig ist, dass 60% der Proteste im Privatsektor stattfanden – also mehr als in den öffentlichen und Regierungssektoren zusammen. Laut dem CAPMAS-Bericht 2023 liegt der durchschnittliche Monatslohn im öffentlichen Wirtschaftssektor bei 12.401 EGP, während er im Privatsektor nur 4.675 EGP beträgt. Gleichzeitig arbeiten Beschäftigte im Privatsektor mehr Stunden – 206 im Monat im Vergleich zu 185 Stunden im öffentlichen Bereich.

Vergleicht man die diesjährigen Proteste mit dem Vorjahr, zeigt sich ein klarer Anstieg: 56 Proteste in den ersten vier Monaten 2025 gegenüber 41 im gleichen Zeitraum 2024. Auch die Zahl der Streiks hat deutlich zugenommen: von 4 im Vorjahr auf 14 in diesem Jahr – trotz der gesetzlichen Kriminalisierung.
Zwei Gründe erklären diese Entwicklung: Erstens die stark verschlechterten Lebensbedingungen, die viele Arbeitende an ihre Grenzen bringen. Zweitens die staatliche Ankündigung der Mindestlohnerhöhung, die den Beschäftigten ein Stück Hoffnung und Vertrauen zurückgibt.

Zum zweiten Mal in Folge kamen die meisten Proteste aus den Bereichen Versorgung, Bau, Holz und Textil.