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Streik in Mahalla endet, aber der Kampf geht weiter

Am 22. Februar kam es in Mahalla al-Kubra im Nildelta zu einem Streik in der größten staatlichen Textilfabrik Ägyptens. Die Misr Spinning and Weaving Company beschäftigt Zehntausende Arbeiter:innen. Mahalla ist die größte Textilfabrik im Nahen Osten.

Die Fabrik ist dafür bekannt, dass sie von 2006 bis 2008 Schauplatz groß angelegter Generalstreiks war, bei denen Arbeiter:innen wegen niedriger Löhne und steigender Lebensmittelkosten aufstanden. Im Jahr 2006 streikten Arbeiterinnen und riefen: „Wo sind die Männer? Hier sind die Frauen.“ Die männlichen Arbeiter schlossen sich dem Streik an, der vier Tage dauerte. Obwohl es zu heftigen Einschüchterungsversuchen durch die Sicherheitskräfte kam, siegten die Arbeiter:innen. Ihnen wurden höhere Löhne versprochen und das Unternehmen wurde nicht privatisiert. Diese Streiks waren ein wichtiger Faktor für den Ausbruch der ägyptischen Revolution 2011.

Jetzt, 18 Jahre nach der Streikwelle 2006, sorgt Mahallas frauendominierter Bekleidungssektor erneut für Schlagzeilen. Rund 7.000 Arbeiter:innen besetzten am 24. Februar den Fabrikplatz und erklärten, sie würden kämpfen, bis die Bosse ihren Forderungen nach einer Lohnerhöhung nachkämen.

In den darauffolgenden Tagen des Streiks wurden Dutzende Arbeiter:innen zum Verhör vorgeladen und von staatlichen Kräften in Gewahrsam genommen.

Letzte Woche, am 1. März, wurde der Streik ausgesetzt, da die Arbeiter:innen die meisten ihrer Forderungen durchsetzen konnten. Einige Arbeiter:innen sind nach der Aussetzung des Streiks immer noch inhaftiert.

Die Forderungen der Arbeiter:innen, die erfüllt wurden, lauten wie folgt: Das Unternehmen wird in ein Finanzpaket einbezogen, das den Mindestlohn auf 6.000 ägyptische Pfund pro Monat erhöht (ca. 175 euro). Dies erfolgt zusätzlich zu einer jährlichen Gehaltserhöhung von 7 % ab März und einer ebenfalls im März ausgezahlten Erhöhung des Monatsgehalts um 8 %.

Wie Hossam el-Hamalawy feststellt, hat der Streik in Mahalla eine doppelte Bedeutung: Zum einen kann er der Beginn eines Dominoeffekts von Arbeitskämpfen bedeuten. Zweitens spielen solche Streiks eine entscheidende Rolle bei der Wiederbelebung einer neuen Generation von Industrieorganisator:innen.

Mahalla, betont el-Hamalawy, „hat das Tempo für die Arbeiterbewegung vorgegeben. Ein Arbeitskampf in der größten Textilfabrik des Nahen Ostens bedeutete normalerweise eine Wiederbelebung des Arbeitskampfes. Welche Erfolge Ghazl el-Mahalla auch erzielte, sie wurden sofort auf den Rest der Klasse übertragen und ermutigten andere Sektoren, ihre Proteste zu verstärken.“